KI lohnt sich dort, wo Arbeit viel Zeit kostet und wenig Urteil braucht. Rechnungen kontieren, wiederkehrende Kundenfragen beantworten, Bewerbungen bearbeiten, Bestellmengen planen: In all diesen Aufgaben steckt Routine, und genau die kann KI heute übernehmen oder vorbereiten. Was daraus für dein Unternehmen folgt, zeigt sich nicht an Schlagworten, sondern an konkreten Abläufen.
Dieser Beitrag geht vier Einsatzfelder durch, jeweils mit Belegen. Danach geht es darum, was ein kleines oder mittleres Unternehmen für Prognosen braucht und wie du Kosten und Nutzen gegeneinander abwägst.
Wie viele Unternehmen nutzen KI schon?
2025 nutzte gut jedes vierte Unternehmen in Deutschland KI, bei den kleinen weniger als jedes vierte. Das Statistische Bundesamt befragt dazu jedes Jahr rund 20.000 Unternehmen ab zehn Beschäftigten. Große Unternehmen setzen KI mehr als doppelt so oft ein wie kleine.
deutschland 2025 · unternehmen ab 10 beschäftigten
Jedes vierte Unternehmen nutzt KI. Kleine seltener.
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), IKT-Nutzung in Unternehmen 2025, Stand 24.11.2025.
Aufschlussreich sind die Gründe der anderen. Von den Unternehmen ohne KI hatte jedes fünfte den Einsatz schon erwogen. Gefragt, warum es dabei blieb, nannten sie vor allem fehlendes Wissen, unklare Rechtsfolgen und Datenschutz. Die Kosten folgen erst weit dahinter.
hürden · unternehmen, die ki erwogen haben
Die größte Hürde ist nicht das Geld. Es ist Wissen.
Quelle: Destatis, IKT-Nutzung in Unternehmen 2025. Basis: Unternehmen ohne KI, die den Einsatz erwogen hatten (20 % der Nichtnutzer).
Fehlendes Wissen ist die Lücke, die sich am leichtesten schließen lässt. Die folgenden Beispiele sollen dabei helfen.
Welche Routineaufgaben kann KI übernehmen?
Vor allem Aufgaben, die oft vorkommen, festen Regeln folgen und sich gut prüfen lassen. Rechnungen zu kontieren ist ein typischer Fall. Buchhaltungsprogramme lesen Belege heute aus, schlagen Konto und Steuerschlüssel vor und lernen aus Korrekturen. Der Mensch prüft und gibt frei, statt jede Zeile selbst zu tippen. Ähnlich funktioniert es beim Sortieren von E-Mails, beim Erfassen von Lieferscheinen oder beim Zusammenfassen von Gesprächsnotizen.
Die gewonnene Zeit fließt in Tätigkeiten, für die es Menschen braucht: Beratung, Abstimmung, Entscheidungen in unklaren Fällen. Das ist auch eine Antwort auf den Fachkräftemangel. Selbst im schwachen Arbeitsmarkt 2025 blieb rechnerisch jede dritte offene Stelle für Qualifizierte unbesetzt.
fachkräfte · jahresdurchschnitt 2025
Selbst bei schwachem Arbeitsmarkt bleibt jede dritte Stelle offen.
Quelle: KOFA Kompakt 3/2026, Jahresrückblick 2025, Institut der deutschen Wirtschaft, 25.03.2026. Kleine und mittlere Unternehmen waren besonders betroffen.
Kleine und mittlere Unternehmen trifft das laut KOFA besonders. Wenn KI vorhandene Teams entlastet, bleiben Aufgaben machbar, für die sich keine neuen Leute finden. Sie ersetzt dabei selten eine ganze Stelle, eher einzelne Arbeitsschritte.
Was bringt KI im Kundenservice?
Schnellere Antworten rund um die Uhr, solange die Qualität stimmt. Heutige Sprachmodelle verstehen Anfragen in natürlicher Sprache und antworten im Gespräch fast wie ein Mensch. Das unterscheidet sie von den starren Chatbots früherer Jahre, die nur auf vorgegebene Stichworte reagierten. Wer abends oder am Wochenende eine passende Antwort bekommt, muss nicht bis zum nächsten Arbeitstag warten.
Wie viel ein KI-Assistent im Service bringen kann, haben Erik Brynjolfsson, Danielle Li und Lindsey Raymond bei einem Softwareanbieter mit über 5.000 Beschäftigten im Support gemessen. Der Assistent schlug Antworten vor, die Beschäftigten entschieden.
kundensupport · 5.172 beschäftigte
Der Assistent hilft vor allem Neuen.
Mehr gelöste Anfragen pro Stunde mit KI-Assistent
Quelle: Brynjolfsson, Li und Raymond, Generative AI at Work, Quarterly Journal of Economics 140 (2), 2025. Der Assistent schlug Antworten vor, die Beschäftigten entschieden.
Im Schnitt lösten die Beschäftigten 14 Prozent mehr Anfragen pro Stunde, neue und weniger erfahrene sogar 34 Prozent. Bei den Erfahrensten war der Effekt minimal. Dazu wurde der Ton der Kundschaft freundlicher, und weniger Beschäftigte kündigten. Der Assistent gab offenbar das Wissen der Besten an die Neuen weiter.
Dass Tempo allein nicht reicht, zeigt der Fall Klarna. Der Zahlungsdienst ließ 2024 einen Großteil der Service-Chats von KI beantworten und meldete beeindruckende Zahlen. Ein Jahr später steuerte das Unternehmen nach.
fall · tempo ist nicht gleich qualität
Schnelle Antworten reichten nicht. Kunden wollten einen Weg zum Menschen.
Februar 2024
Der KI-Assistent startet
Laut Klarna führt er im ersten Monat 2,3 Millionen Gespräche, zwei Drittel aller Service-Chats. Anliegen sind in unter 2 statt 11 Minuten erledigt, die Arbeit entspreche 700 Vollzeitkräften.
Mai 2025
Kurswechsel
Kundinnen und Kunden sollen immer mit einem Menschen sprechen können. Der Chef räumt ein, Kosten seien zu stark gewichtet worden, das Ergebnis sei geringere Qualität gewesen.
September 2025
Neue Gewichtung
KI bleibt im Einsatz, der Schwerpunkt verschiebt sich von Kostensenkung zu besserem Service und Produkt.
Quellen: Klarna-Pressemitteilung, 27.02.2024 (Unternehmensangaben); CX Dive, 09.05.2025; Reuters, 10.09.2025.
„AI gives us speed. Talent gives us empathy.“
Klarna-Sprecherin Clare Nordstrom gegenüber CX Dive, Mai 2025. Sinngemäß: KI bringt Tempo, Menschen bringen Einfühlungsvermögen.
Für dein Unternehmen heißt das: Lass KI die einfachen, häufigen Fragen beantworten und miss die Qualität, nicht nur die Geschwindigkeit. Und halte einen gut sichtbaren Weg zu einem Menschen offen.
Wie beschleunigt KI Bewerbungsprozesse?
Vor allem bei Ansprache, Kommunikation und Terminabstimmung. Bewerbungen schneller zu bearbeiten, hilft beiden Seiten. Unternehmen sichern sich gute Leute, bevor andere zusagen, Bewerberinnen und Bewerber bekommen früher eine Rückmeldung.
Ein Beispiel liefert Brother International in den USA. Laut einer Fallstudie des Softwareanbieters Phenom stieg die Zahl abgeschlossener Bewerbungen nach dem Neustart der Karriereseite mit KI-gestützten Jobempfehlungen und einem Chatbot innerhalb von drei Wochen um 140 Prozent. Bei Nutzerinnen und Nutzern des Chatbots stieg die Abschlussquote von 40 auf 69 Prozent. Das sind Angaben des Anbieters, nicht unabhängig geprüft, und sie betreffen die Ansprache, nicht die Auswahl.
Bei der Auswahl selbst ist Vorsicht geboten. Studien zeigen, dass Sprachmodelle beim Sortieren von Lebensläufen bestimmte Namen benachteiligen. Ab Dezember 2027 gilt KI für die Bewerberauswahl nach dem EU AI Act als Hochrisiko-System. Was das konkret bedeutet, beschreibt der Beitrag KI-Ethik im Unternehmen.
Wie hilft KI bei der Nachfrageplanung?
KI erkennt Muster in Verkaufsdaten und leitet daraus ab, was wann und wo gebraucht wird. Für die Lieferkette eines Händlers heißt das: Bestellungen und Lagerbestände lassen sich gezielter steuern. Winterjacken müssen schon im Herbst im Lager liegen, Fahrräder eher im Frühjahr als im Oktober. Je länger die Lieferzeit, desto früher muss die Bestellung raus.
prognose · beispielwerte
Die Saison beginnt Monate vor der ersten Kundenfrage.
Spätestens im Februar bestellen, damit die Ware zum Saisonstart im April im Lager liegt.
Eigene Darstellung mit Beispielwerten. Echte Prognosen hängen von deinen Verkaufsdaten, Wetter, Feiertagen und Marktbedingungen ab.
Die Werte in der Grafik sind Beispiele. Ob ein Modell solche Muster zuverlässig erkennt, hängt von deinen Daten und vom Markt ab. Ein ungewöhnlich warmer Winter oder eine Aktion der Konkurrenz verschieben die Nachfrage, und ein Modell kennt nur, was in seinen Daten vorkommt.
Neben dem Zeitpunkt zählt der Ort. Deuten die Daten auf steigende Nachfrage nach Fahrrädern in München oder Köln, kann ein Unternehmen die Ware rechtzeitig in die passenden Lager bringen. Amazon hat dieses Prinzip in großem Maßstab umgesetzt. Das Unternehmen hat sein US-Netz in acht weitgehend eigenständige Regionen geteilt und nutzt maschinelles Lernen, um vorherzusagen, welche Artikel wo gefragt sein werden.
warenverteilung · unternehmensangaben
Ware rückt näher an die erwartete Nachfrage, bevor jemand bestellt.
US-Bestellungen, die vollständig aus der Region des Kunden kommen
Quellen: Amazon Science, 24.07.2023; Doug Herrington, 31.07.2023; Amazon, 11.06.2025. Alle Werte sind Unternehmensangaben.
Wichtig ist die Unterscheidung: Amazon beschreibt eine vorausschauende Verteilung auf Lagerstandorte, keinen Versand an Kunden vor der Bestellung. Weil die Ware näher bei den Kunden liegt, sind die Wege kürzer, und mehr Bestellungen kommen noch am selben oder am nächsten Tag an. Dazu tragen auch eigene Same-Day-Standorte in Großstädten bei. Alle Zahlen sind Angaben des Unternehmens.
Welche Daten braucht eine KI-Anwendung?
Daten, die zum Prozess passen, in ausreichender Menge und Qualität. Die Datengrundlage ist oft der aufwendigste Teil eines KI-Vorhabens. Daten liegen verteilt, in unterschiedlichen Formaten, mit Lücken und ohne klare Zuständigkeit. Vier Fragen helfen beim Einstieg.
datengrundlage · vier fragen
Vor jedem Modell: die Daten klären.
Was beschreibt den Prozess, den du verbessern willst?
Beispiel Händler: Verkäufe je Artikel, Filiale und Woche, dazu Aktionen, Feiertage und Wetter.
Die Antworten fallen in jedem Unternehmen anders aus. Wer sie früh klärt, merkt rechtzeitig, ob ein Vorhaben machbar ist, und vermeidet ein Projekt, das nach Monaten an fehlenden Daten scheitert.
Lohnt sich KI für mein Unternehmen?
Das zeigt eine ehrliche Abwägung von Kosten und Nutzen für einen konkreten Prozess. Ambitionierte Pläne müssen zum Budget passen. Gleichzeitig kann zu viel Zurückhaltung dazu führen, dass gute Gelegenheiten liegen bleiben. Der Rechner zeigt, wie Zeitaufwand, laufende Kosten und Einmalaufwand zusammenhängen. Setz deine eigenen Werte ein.
kosten und nutzen · deine zahlen
Wann rechnet sich eine KI-Anwendung?
Ergebnis pro Monat
10,4 h
frei werdende Arbeitszeit
318 €
Nettonutzen nach laufenden Kosten
Einmaliger Aufwand nach etwa 16 Monaten eingespielt.
Eigene Rechnung, die Werte bleiben im Browser. Sie zählt nur Arbeitszeit; Qualität, Fehlerquote und Kundenzufriedenheit kommen dazu.
Der Rechner zählt nur Arbeitszeit. Weniger Fehler, schnellere Antworten oder zufriedenere Kunden kommen dazu, lassen sich aber schwerer beziffern. Plane außerdem Zeit für Einführung und Schulung ein. Wie du von einem Geschäftsziel zu einem messbaren Pilot kommst, beschreibt der Beitrag KI-Beratung: vom Geschäftsziel zum Pilot.
Wo fängst du an?
Bei einem Prozess, der heute spürbar Zeit kostet. Welche Aufgaben binden in deinem Unternehmen viel Zeit? Wo würden Mitarbeitende oder Kunden sofort von einer schnelleren Bearbeitung profitieren? Und wo würde eine bessere Prognose helfen? Prüfe dann, ob die nötigen Daten und das Budget dafür da sind. Wenn du zuerst wissen willst, wo dein Team bei KI steht, hilft der KI-Kompetenz-Check.
Quellen
- Statistisches Bundesamt: Nutzung von IKT in Unternehmen, Ergebnisse 2025, Stand 24.11.2025.
- KOFA: Jahresrückblick 2025: Schwacher Arbeitsmarkt, erste Impulse durch Sondervermögen?, KOFA Kompakt 3/2026.
- Brynjolfsson, Li, Raymond: Generative AI at Work, Quarterly Journal of Economics, 2025.
- Klarna: Klarna AI assistant handles two-thirds of customer service chats in its first month, 27.02.2024.
- CX Dive: Klarna changes its AI tune and again recruits humans for customer service, 09.05.2025.
- Reuters: Sweden's Klarna shifts AI focus from cost cuts to growth, 10.09.2025.
- Phenom: Fallstudie Brother International Corporation (Anbieterangaben).
- Amazon Science: How Amazon reworked its fulfillment network to meet customer demand, 24.07.2023.
- Amazon: Doug Herrington: How Amazon is delivering at its fastest speeds ever, 31.07.2023.
- Amazon: Amazon announces AI-powered innovations in delivery, inventory, robotics, 11.06.2025.
Grafiken, Saisonplaner und Rechner sind eigene Darstellungen. Saisonplaner und Rechner arbeiten mit Beispielwerten und speichern nichts.


