kurz gesagt
- Ohne sichtbaren Prozess keine Steuerung. Wer nur ein Gefühl von Ineffizienz hat, bekommt dafür weder Priorität noch Budget.
- Eine Woche reicht für den Anfang: ein Prozess, eine Wand mit Haftnotizen, zwei Messwerte je Schritt.
- Das typische Ergebnis: kurze Arbeitszeit, lange Liegezeit, dazu Doppelarbeit, die vorher niemand gesehen hat.
Ein Geschäftsführer sagte es so direkt, dass es im Raum hing: „Ich weiß, dass wir ineffizient sind. Aber ich kann es niemandem zeigen.“
Genau das ist der Zustand vieler Unternehmen im Mittelstand. Das Gefühl stimmt, der Beleg fehlt. Und ohne Beleg gibt es keine Priorität, kein Budget und keine Veränderung.
Was du nicht siehst, kannst du nicht steuern
Prozesse leben in den Köpfen der Menschen, die sie täglich ausführen. Jeder kennt seinen Teil. Niemand kennt das Ganze. Deshalb erlebst du Symptome wie verspätete Angebote und Rückfragen, kannst aber nicht sagen, wo die Zeit verloren geht. Steuern lässt sich so nichts, nur reagieren.
Sichtbarkeit ist keine Frage einer Software. Sie ist eine Frage der Entscheidung, einen Prozess einmal ehrlich aufzuzeichnen, so wie er läuft. Nicht so, wie er laufen sollte.
So machst du einen Prozess in einer Woche sichtbar
- Einen Prozess wählen, der wehtut. Zum Beispiel den Weg vom Kundenauftrag bis zur Auslieferung. Nur einen.
- Die richtigen Leute holen. Die Menschen, die darin arbeiten, für zwei Stunden an eine Wand mit Haftnotizen. Jeder Schritt eine Notiz, jede Übergabe ein Pfeil.
- Zwei Dinge messen. Eine Woche lang je Schritt: Wie lange dauert die Arbeit, und wie lange liegt der Vorgang dazwischen.
- Das Bild gemeinsam lesen. Wo staut es sich, wo wird doppelt geprüft, wo fehlt eine Information?
Mehr braucht es für den Anfang nicht, auch keine Software und kein Modellierungswerkzeug. Wie eine gründlichere Ist-Analyse aussieht, beschreibt der Beitrag Ist-Zustand analysieren.
Was dabei regelmäßig herauskommt
In fast jeder Aufnahme, die ich begleite, zeigt sich dasselbe Bild. Die Arbeitszeit ist kurz, die Liegezeit ist lang. Ein Auftrag ist tagelang im Haus und wird davon nur einen Bruchteil wirklich bearbeitet. Der Rest ist Warten auf Freigaben, auf Rückfragen, auf den nächsten Stapel.
Dazu kommen Doppelarbeiten, die vorher niemand sah. Daten, die mehrfach erfasst werden. Kontrollen, die es doppelt gibt, weil zwei Abteilungen einander nicht trauen.
Vom Bild zur Steuerung
Mit dem sichtbaren Prozess ändert sich das Gespräch. Statt „wir müssen effizienter werden“ heißt es „die Freigabe kostet uns drei Tage, wer braucht sie wirklich“. Das ist steuerbar. Du kannst entscheiden, messen, nachjustieren.
Der Geschäftsführer vom Anfang hat seine Ineffizienz inzwischen gezeigt bekommen, an einer Wand voller Notizen. Seitdem redet sein Führungskreis nicht mehr über Gefühle, sondern über Liegezeiten. Das ist der ganze Unterschied.
Einordnung in core+
In core+ ist dieser Schritt der Anfang von allem: clarity & diagnostics. Erst wenn der Ist-Zustand auf dem Tisch liegt, lohnt sich Struktur, Software oder Automatisierung. Wer vorher ein neues System einführt, digitalisiert den Nebel. Mehr dazu unter consulting.
Checkliste für deine erste Aufnahme
- Ein Prozess mit klarem Anfang und Ende ist ausgewählt.
- Alle, die darin arbeiten, sind für zwei Stunden eingeplant.
- Je Schritt werden Bearbeitungszeit und Liegezeit notiert.
- Das Ergebnis hängt dort, wo der Führungskreis es sieht.
- Es gibt einen Termin, an dem entschieden wird, was sich zuerst ändert.


