kurz gesagt
- Technologie gibt es genug. Was entscheidet, ist die Frage, ob die Menschen, die sie anwenden sollen, als Co-Piloten behandelt werden oder als Passagiere.
- "Wir haben die Technologie eingeführt, aber die Menschen nicht mitgenommen" ist der Satz, den ich in Strategiegesprächen am häufigsten höre.
- Mitgenommen ist nicht informiert. Wer eine Schulung absolviert hat, weiß, wie das neue System funktioniert. Wer mitgestaltet hat, versteht, warum es sich lohnt.
Der Satz, der alles beschreibt
Ich höre ihn in Strategiegesprächen regelmäßig, und er sitzt jedes Mal: "Wir haben die Technologie eingeführt, aber die Menschen nicht mitgenommen." Investitionen in neue Software, Prozesse und Infrastruktur, danach Stagnation, Frust auf allen Ebenen, Produktivität, die nicht ansteigt.
Der Grund ist selten ein technisches Problem. Er liegt fast immer in der Annahme, dass eine neue Anwendung sich selbst erklärt, wenn sie nur gut genug ist. Das stimmt für einfache Werkzeuge. Es stimmt nicht für Systeme, die in komplexe Abläufe eingreifen, die Menschen seit Jahren kennen.
Was Co-Piloten von Passagieren unterscheidet
Im Cockpit gibt es zwei Rollen: den Piloten, der entscheidet, und den Co-Piloten, der mitdenkt, prüft und eingreift, wenn etwas nicht stimmt. Passagiere sitzen hinten, bekommen Anweisungen und warten ab.
In der digitalen Transformation gibt es dieselbe Unterscheidung. Mitarbeitende als Passagiere zu behandeln bedeutet: Sie werden informiert, geschult und dann erwartet, dass sie mitmachen. Mitarbeitende als Co-Piloten zu behandeln bedeutet: Sie werden beim Gestalten des neuen Ablaufs eingebunden, kennen den Grund hinter der Entscheidung und haben eine aktive Rolle beim Prüfen, ob der neue Weg funktioniert.
Der Unterschied entscheidet darüber, ob das neue System nach sechs Monaten noch genutzt wird oder ob die alten Abläufe still zurückgekehrt sind.
Warum Schulungen allein nicht reichen
Das häufigste Gegenargument lautet: "Wir haben ausführlich geschult." Schulungen beantworten die Frage: Wie klicke ich das? Sie beantworten nicht die Frage: Warum ist das besser als das, was ich bisher getan habe?
Wer diese zweite Frage nicht beantwortet bekommt, greift auf das zurück, was sich bewährt hat. Das ist kein Widerstand, das ist rationales Verhalten. Die Antwort liegt nicht in einer besseren Schulung, sondern in einer früheren und anderen Art der Einbindung.
Was dabei zu einem vollständigen Kompetenzaufbau gehört, erklärt Digitale Transformation: fünf Kompetenzen die zählen.
Vier Schritte für den Co-Piloten-Ansatz
- Den betroffenen Ablauf sichtbar machen, bevor die Software kommt. Wer nicht weiß, wie der Prozess heute läuft, digitalisiert die Umwege gleich mit. Wie das geht, zeigt Prozesse sichtbar machen.
- Die Menschen einbinden, die den Ablauf am besten kennen. Das sind selten die, die in der Entscheidungsrunde sitzen. Es sind die, die täglich darin arbeiten.
- Einen frühen Piloten mit einem kleinen Team durchführen. Was im Piloten schiefläuft, ist wertvolles Wissen. Was nach dem großen Rollout schiefläuft, ist teuer.
- Fortschritt für alle sichtbar machen. Nicht nur im Führungskreis, sondern dort, wo gearbeitet wird. Wer sieht, dass es vorangeht, macht mit.
Einordnung in core+
In core+ ist Digitalisierung ein Hebel im Feld execute & scale, nicht der Startpunkt. Bevor digitale Werkzeuge eingeführt werden, stehen Klarheit über den Ablauf und Struktur, in die das Werkzeug eingebettet wird. Eine Transformation, die dort anfängt, braucht keine groß angelegte Change-Kampagne, weil die Menschen bereits Teil des Prozesses sind.
Drei Entscheidungsfragen
- Welches digitale Tool hast du in den letzten Jahren eingeführt, das deutlich weniger genutzt wird als erwartet, und wurden die späteren Nutzer dabei eingebunden?
- Wer in deinem Unternehmen kennt den Prozess, den das nächste Tool verbessern soll, am besten, und war diese Person bei der Entscheidung dabei?
- Was wäre der kleinste sinnvolle Pilot, mit dem du den neuen Weg in vier Wochen testen könntest?
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