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Fachkräftenachfrage Q2/2026: Selektive Besetzung wird zum neuen Normal

20. August 2026newsunternehmen

arbeitsmarkt q2/2026

ein markt, drei lesarten

Indexniveau und reale Veränderung beantworten verschiedene Fragen. Die Profile zeigen, wo Unternehmen trotz schwächerem Gesamtmarkt weiter suchen.

indexniveau nach fachgebietindexpunkte gegenüber dem referenzquartal
legal+100
procurement+66
finance+62
it+59
life sciences+45
healthcare+28
human resources+14
engineering+11
sales0
marketing-6
spezialisierungen im spannungsfeldrechts: höheres indexniveau · unten: stärkerer quartalsrückgang
legalprocurementfinanceitlife scienceshealthcarehuman resourcesengineeringsalesmarketing

quelle: fachkräfte-index q2/2026. healthcare nutzt q1/2021 als referenz, alle übrigen reihen q1/2015.

Die Nachfrage nach Fachkräften ist im zweiten Quartal 2026 auf den niedrigsten Stand seit Ende 2020 gefallen. Der berufsübergreifende Index sank auf 36 Punkte. Ein Jahr zuvor lag er bei 59 Punkten, im zweiten Quartal 2024 noch bei 113 Punkten.

Der Gesamtwert verdeckt große Unterschiede zwischen zehn Spezialisierungen. Unternehmen stellen weiter ein, wählen Positionen aber schärfer nach unmittelbarem Nutzen aus. Daten, Sicherheit, Regulierung und Infrastruktur halten sich besser. Breite Entwicklungs-, Marketing- und HR-Rollen verlieren.

Diese Auswertung verbindet die aktuellen Fachgebietsdaten mit Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, des IAB und von Destatis. So trennt sie kurzfristige Ausschreibungen von Beschäftigung und gemeldeten Stellen.

der gesamtmarkt fällt, die abstände wachsen

Alle zehn untersuchten Fachgebiete meldeten im zweiten Quartal weniger Ausschreibungen als im Vorquartal. Legal führt den Index mit 100 Punkten an. Procurement erreicht 66 Punkte, Finance 62 und IT 59. Marketing fällt auf minus 6 Punkte. Sales steht exakt beim Referenzniveau von 2015.

Ein Indexwert von 36 bedeutet, dass die Zahl der erfassten Anzeigen 36 Prozent über dem Ausgangswert aus Q1/2015 liegt. Er beschreibt kein Wachstum gegenüber dem Vorquartal. Healthcare nutzt wegen der jüngeren Zeitreihe Q1/2021 als Basis.

fachgebietindex q2/2026absolute nachfrage zum vorquartalzum vorjahr
legal100-16 %-8 %
procurement66-8 %-11 %
finance62-16 %-18 %
it59-19 %-11 %
life sciences45-10 %-18 %
healthcare28-14 %-11 %
human resources14-15 %-40 %
engineering11-13 %-8 %
sales0-14 %-9 %
marketing-6-13 %-37 %

daten, sicherheit und architektur bleiben gefragt

Der IT-Index sank um 37 Punkte auf 59. Trotzdem bleiben einige Rollen weit über dem Gesamtmarkt. IT-Security-Spezialisten erreichen 373 Punkte. Datenbankentwickler steigen gegen den Trend um 9 Punkte auf 322. SAP-Entwickler liegen bei 196, IT-Architekten bei 131.

Bei klassischen Entwicklungsrollen kippt das Bild. Webentwickler stehen bei minus 42 Punkten. Java-Entwickler erreichen minus 36, .NET-Entwickler minus 35. Banken und Versicherungen führen die IT-Nachfrage mit 125 Punkten. Die Automobilbranche fällt auf minus 79.

Life Sciences zeigt dieselbe Auswahl noch schärfer. Der Gesamtindex fällt auf 45. Data Scientists steigen auf 682 Punkte. Qualitätsmanager erreichen 108. Regulatory Affairs Manager fallen auf minus 46. Medical Advisors stehen bei minus 20.

Abstrakte Darstellung der Verschiebung von industriellen Rollen zu Infrastruktur, Daten, Recht und ambulanter Medizin
die nachfrage verschiebt sich zu rollen, die systeme sichern, daten nutzbar machen oder regulierung beherrschen.

recht und finanzen bleiben über dem gesamtmarkt

Legal erreicht mit 100 Punkten den höchsten Fachgebietsindex. Senior Juristen steigen als einzige betrachtete Rechtsrolle auf 415 Punkte. Datenschutz-Juristen liegen bei 241, Contract Manager und Justiziare bei 200. Compliance-Juristen erreichen 123.

Die öffentliche Verwaltung bleibt mit 238 Punkten der stärkste Rechtsarbeitgeber. IT-Unternehmen folgen mit 157 Punkten. Im Handel fällt die juristische Nachfrage erstmals seit 2015 unter den Referenzwert und erreicht minus 8.

Finance sinkt auf 62 Punkte. Tax Manager führen mit 195, Compliance Manager erreichen 97. Finanzanalysten liegen bei 84, Bilanzbuchhalter bei 83. Versicherungen rutschen als einzige untersuchte Finance-Branche mit minus 14 unter das Niveau von 2015.

Im Einkauf fällt der Index auf 66. Operative Einkäufer erreichen 165 Punkte. Category Manager steigen als einzige Rolle zum Vorquartal und liegen bei 108. Strategische Einkäufer kommen auf 97. Die Automobilbranche bleibt mit minus 71 weit zurück.

infrastruktur trägt engineering, industrielle entwicklung verliert

Engineering fällt auf 11 Punkte. Bauingenieure erreichen dennoch 120. Automatisierungsingenieure liegen bei 89, Planungsingenieure bei 79. Das Baugewerbe führt die Branchenwerte mit 190 Punkten. Die öffentliche Verwaltung kommt auf 94.

Entwicklungsingenieure für Antriebstechnik fallen auf minus 83. Automotive-Entwicklung erreicht minus 77, Automatisierungsentwicklung minus 60. Auf Branchenebene liegt die Automobilindustrie bei minus 88. Maschinenbau folgt mit minus 46.

Die Trennung verläuft damit innerhalb der technischen Berufe. Infrastruktur und betriebsnahe Automatisierung halten Nachfrage. Produktnahe Industrieentwicklung trägt den stärkeren Abschwung.

hr, marketing und sales spüren die einstellungsbremse

HR verliert im Jahresvergleich 40 Prozent der absoluten Ausschreibungen. Das ist der stärkste Rückgang aller Fachgebiete. Der Index fällt auf 14. HR Business Partner bleiben mit 154 Punkten eine Ausnahme. Recruiter erreichen 30.

Die öffentliche Verwaltung hebt sich bei HR mit 206 Punkten ab. IT-Unternehmen liegen dagegen bei minus 35. Manager Employer Branding erreichen minus 33, Personalberater minus 22.

Marketing fällt mit minus 6 Punkten unter das Referenzniveau von 2015. Social-Media-Manager führen zwar mit 173 Punkten, verlieren gegenüber dem Vorjahr aber 502 Punkte. Content Manager erreichen 95. SEO-Manager fallen auf minus 52.

Sales landet bei 0. Business Development Manager erreichen 99 Punkte und steigen im Jahresvergleich als einzige Sales-Rolle. Customer Service und Success Manager liegen bei 80. Finanz- und Versicherungsdienstleister führen die Branchenwerte mit 100.

medizin verschiebt sich in den ambulanten bereich

Healthcare fällt auf 28 Punkte. Oberärzte erreichen 60, Fachärzte 56. Assistenzärzte liegen mit minus 29 unter dem Ausgangsniveau von 2021. Fachärzte stellen zugleich das größte Ausschreibungsvolumen.

Kleine Fachrichtungen zeigen hohe Indexwerte. Zahnmedizin erreicht 354 Punkte, Haut- und Geschlechtskrankheiten 164, Radiologie 104. Das Volumen bleibt in Innerer Medizin und Chirurgie größer.

Der strukturelle Unterschied liegt beim Arbeitsort. Ambulante Stellen erreichen 147 Punkte und liegen 42 Punkte über dem Vorjahr. Der stationäre Bereich fällt auf 38. Diese Verschiebung zieht sich durch die bisherige Healthcare-Zeitreihe.

andere arbeitsmarktindikatoren ergänzen das bild

Der Fachkräfteindex misst veröffentlichte Stellenanzeigen. Die Bundesagentur erfasst nur gemeldete Stellen. Das IAB schätzt das gesamte Stellenangebot per Betriebsbefragung. Destatis misst Beschäftigung. Deshalb dürfen die Werte nicht gleichgesetzt werden.

Im Juli 2026 lag der BA-X bei 103 Punkten und damit vier Punkte über dem Vorjahr. Die Bundesagentur beschreibt die gemeldete Arbeitskräftenachfrage trotzdem als anhaltend niedrig. Der Bestand gemeldeter Stellen lag bei 653.000.

Das IAB meldete für Q1/2026 rund 1,15 Millionen offene Stellen. Gleichzeitig stieg die Relation aus Arbeitslosen und offenen Stellen. Destatis zählte im ersten Quartal rund 45,6 Millionen Erwerbstätige. Das waren 157.000 weniger als ein Jahr zuvor.

Gemeinsam zeigen die Reihen: Der Arbeitsmarkt ist nicht eingefroren. Er verteilt Chancen ungleich. Stellenanzeigen reagieren schneller als Beschäftigung und fallen je nach Berufsgruppe deutlich auseinander.

fünf konsequenzen für die personalplanung im mittelstand

  1. rollen nach geschäftswirkung ordnen. Kritische Daten-, Compliance- und Infrastrukturaufgaben gehören vor allgemeine Wachstumsrollen.
  2. engpassprofile einzeln behandeln. Ein pauschaler Einstellungsstopp übersieht Märkte wie Datenschutzrecht, Datenbanken oder Automatisierung.
  3. interne wechsel ermöglichen. Beschäftigte aus schwächeren Funktionsbereichen können in angrenzende Aufgaben wechseln, wenn Fähigkeiten und Bedarf passen.
  4. branchenwerte mitlesen. Dieselbe Rolle kann in Verwaltung, Finanzwirtschaft oder Industrie eine andere Nachfrage erleben.
  5. quartalsweise neu entscheiden. Anzeigen reagieren früh. Personalbudgets sollten aktuelle Signale aufnehmen, ohne langfristige Fähigkeiten vorschnell abzubauen.

Für mittelständische Unternehmen folgt daraus eine klare Leitlinie. Personalplanung braucht weniger Durchschnitt und mehr Portfolio. Entscheidend ist, welche Rolle Kosten schützt, Umsatz sichert oder ein kritisches System betreibt.

datenbasis und methodik

Datenstand ist der 20. August 2026. Die Indexwerte beruhen auf dem Hays Fachkräfte-Index für Q2/2026. Hays und index Internet und Media Research werten dafür Stellenanzeigen aus Onlinebörsen, Tageszeitungen und dem Business-Netzwerk Xing aus. Referenz ist Q1/2015, bei Healthcare Q1/2021.

Zur Einordnung wurden der Arbeitsmarktbericht Juli 2026 der Bundesagentur für Arbeit, die IAB-Stellenerhebung Q1/2026 und die Erwerbstätigenrechnung von Destatis für Q1/2026 herangezogen. Redaktion, Analyse, Schlussfolgerungen und Visualisierungen stammen von herrlichconsultegyzer.

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